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Be proud, aber wieso eigentlich?
Die letzten Tage in Toronto waren am ende doch ein wenig spannender, als die Woche mit dem G20 Gipfel. Warum? Na weil die “Pride Week” war. Das ist in etwa das, was bei uns der CSD ist, nur eben eine Woche lang und mit einer recht großen Abschlussparade, dem “Pride March”. Wie ich dann auch festgestellt habe, habe ich genau im LGBT (Lesbian Gay Bisexual Transgender) favorisierten Viertel gewohnt. Jetzt wundert mich da gar nix mehr, aber man hätte es merken können… ich bin da eben nicht der Schnellste und die waren auch alle immer recht freundlich! Wie auch immer. es gab ab Donnerstag jeden Abend richtig ordentlich musikalische Untermalung – leider größtenteils Technoartiges und wer mich kennt, weiß wie sehr ich das mag. ABER – Ohrenstöpsel machen es möglich,m dass man nur noch das Basswummern bei geschlossenem Erdlochfenster mitbekam. Wer mal gesagt hat, dass sich Basswellen durch den Erdboden von Städten nicht so gut ausbreiten hat gelogen… ich habe recherchiert und Feldtests durchstehen müssen. Das ist Müll!
Wie auch immer, Sonntag Mittag bin ich noch schnell zum Chinesen an die Ecke, um meinen Lunch zu bekommen, was geklappt hat und lecker war. Als ich wieder raus kam war da aber die Überraschung groß – alles abgesperrt und geschlossen. Also die Straße, denn da wo vorher noch Durchgänge waren, waren jetzt die Zäune zu und Polizisten und bunt gekleidete Menschen haben den Weg versperrt. “Pride March” stand auf dem Plan. Aus Deutschland weiß man ja, dass sich das so um die zwei Stunden hinziehen kann, als hab ich mir gedacht – geht schon. Ist bestimmt lustig und ein bissel unterstützen kann man die Leute ja auch. Argh! Nach gefühlten Tagen und realen 5 Stunden war es dann wieder soweit, dass ich ins Hotel zurück konnte, allerdings fast völlig dehydriert und leicht verbrannt. Ich brauche im Übrigen einen Sonnenhut! Naja, es war zwar lustig, aber nach zwei Stunden wollte ich wieder weg, aber dort wo ich stand war das Zentrum der Aktivität… umgehen hätte da zu
einer Stadtwanderung geführt. Naja, ich habe es überlebt, aber es gibt da ein paar Bilder die ich nicht aus dem Kopf bekomme – nackte ganz alte Männer, die mit sehr viel Stolz ihre gepiercten und anderweitig geschmückten Penisse präsentierten. Danke schön dafür…
– nicht desto trotz fiel mir auf, dass es eigentlich immer noch eine Schande ist, dass diese Veranstaltungen nötig sind, denn eigentlich sollte man für das Grundrecht jemanden zu lieben, egal welchen Geschlechts, nicht demonstrieren müssen.
PS: Am Rande der Veranstaltung gab es
auch einen religiös christlichen Eiferer, der tatsächlich den Passanten (an dem Tag vorzugsweise LGBT) erklärte: “Pride comesbefore the fall!”. Naja, dass der sich da ein ganz kleines bissel lächerlich gemacht hat lag in der Natur der Sache, aber genervt hat er trotzdem, denn er hatte ein Megafon mit dabei
PPS: Nächste Notiz am Rande… zur gleichen Zeit, nur ein paar Blöcke weiter war aktuell die weltgrößte Islamkonferenz. “Toronto is one of the world’s most diverse cities…” bekommt da eine ganz neue Dimension und alle können friedlich nebeneinander her existieren. Das eine muss ich dazu sagen, so schlimm mir Toronto zeitweise auch erschien, was ganz andere Gründe hatte, wenn alle Städte auf der Welt nur annähernd so offen und vorurteilsfrei mit einander umgehen würden, dann wäre das Militär unter Umständen von jetzt auf gleich arbeitslos. Aber das bleibt nur so ein Phantasiegedanke…
Dienstag, 6. Juli 2010 bei 02:29 (CEST)
Nur so nebenbei und ganz außer der Reihe… von wegen Hitzewelle in Deutschland… es ist 21:28 Uhr und draußen sind 33°C… ich würde zusammen brechen, wenn da nicht die Klimaanlage wäre
Dienstag, 6. Juli 2010 bei 06:39 (CEST)
Stell dir vor, die würden gar nicht mehr diskriminiert… Dann gäbs ja auch keinen Grund mehr, den bunt geschmückten Schniedelwuz offen über die Straße zu tragen. Wär doch schade